Gründerzeitmöbel – Merkmale, Holzarten und Werkstätten
Was Gründerzeitmöbel ausmacht
Während die historische Epoche der Gründerzeit einen deutlich längeren Zeitrahmen einnahm, meint der Begriff bei Möbeln zumeist nur die Spanne von etwa 1880 bis 1890. Kennzeichnend für Stücke aus dieser Zeit ist eine Mischung aus gestalterischen Merkmalen vorheriger Stile.
So wurde ebenso auf die Antike zurückgegriffen, wie auf die Renaissance und den Barock. Neben reich geschmückten Türen und Schüben gab es oft auch offene Fächer. Dabei setzte der Geschmack des Publikums seinerzeit den Kunsthandwerkern kaum Grenzen; denn was vor allem zählte, war eine möglichst üppige Gestaltung.
Aus diesem Grunde finden sich an den entsprechenden Exemplaren aufwendige Schnitzereien genauso wieder wie kunstvoll gedrechselte Säulen, Balustraden und auffällige Beschläge. Angesichts ihrer gewaltigen Opulenz könnte man fast meinen, der betont sachliche Stil in den Dekaden davor hätte einen gestalterischen Stau verursacht, der sich dann in fantasievoller, ja beinahe ungehemmter Üppigkeit Bahn gebrochen hat.
In Wirklichkeit war die Gestaltung aber auch Ergebnis der wechselhaften Zeiten des ausgehenden 19. Jahrhunderts. Während Krieg und ein schwerer Börsencrash (Gründerkrach) ihre zerstörerische Wirkung entfalteten, brachten die Früchte der industriellen Revolution sowie Reparationszahlungen an Deutschland auch schnell neuen Wohlstand mit sich, welcher durch Extravaganzen zur Schau gestellt werden sollte.
Typische Gründerzeitmöbel
Die Gründerzeit hat eine Reihe von Möbeltypen hervorgebracht, die bis heute gesucht sind:
- Buffet und Aufsatzbuffet: Das Prunkstück des Speisezimmers, oft mit Vitrinenaufsatz, Säulen und geschnitzter Bekrönung.
- Vertiko: Ein halbhoher Schrank mit Schublade und Aufsatz, typisch für den Salon.
- Kabinett- und Zierschrank: Reich gegliederte Schränke für Sammlungen und Kostbarkeiten.
- Halbschrank: Ein niedriger Schrank, häufig paarweise gefertigt.
- Kleider- und Bücherschrank: Große, meist zerlegbare Schränke mit kräftigen Profilen.
- Schreibtisch und Sekretär: Oft als Teil eines kompletten Herrenzimmers entstanden.
Holzarten und Oberflächen
- Nussbaum: Das beliebteste Holz der Gründerzeit, massiv für Schnitzereien und als lebhaft gemasertes Furnier.
- Eiche: Vor allem bei Speise- und Herrenzimmern im Stil der Neorenaissance, meist dunkel gebeizt.
- Schwarze Akzente: Säulen, Leisten und Zierteile wurden häufig schwarz gebeizt oder gefasst.
- Oberfläche: Ursprünglich wurden die Möbel von Hand mit Schellack poliert. Da Schellack empfindlich gegen Kratzer, Wasser und Alkohol ist, kommen bei der Restaurierung heute auch moderne, widerstandsfähigere Lacke zum Einsatz. Welche Oberfläche es wird, entscheidet der Kunde – oft danach, wofür das Möbel genutzt wird.
Bekannte Werkstätten
Neben vielen Tischlereien und Möbelfabriken gab es Werkstätten, deren Arbeiten heute besonders geschätzt werden. Dazu gehört die Berliner Hoftischlerei Julius Groschkus. Hinweise auf die Herkunft geben Stempel, Etiketten oder Brandzeichen, meist an der Rückwand oder in den Schubladen.
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Häufige Fragen zu Gründerzeitmöbeln
Aus welcher Zeit stammen Gründerzeitmöbel?
Die Gründerzeit umfasst die Jahre nach 1871. Bei Möbeln meint der Begriff vor allem Stücke aus der Zeit um 1880 bis 1890, im weiteren Sinne bis etwa 1900.
Woran erkenne ich ein echtes Gründerzeitmöbel?
An der kräftigen, reich verzierten Form, an handgeschnitzten Details, an Nussbaum oder Eiche und an originalen Beschlägen. Ein Blick auf Rückwand und Schubladen hilft bei der Einordnung.
Lohnt sich die Restaurierung eines Gründerzeitmöbels?
Bei gut gebauten Stücken meistens ja. Eine fachgerechte Restaurierung erhält die originale Substanz und bringt Holz und Politur wieder zur Geltung.
Diese Übersicht stellt nur einen kurzen, allgemeinen Überblick dar. Neben den jeweiligen Merkmalen und Eigenarten der einzelnen Stilrichtungen gibt es einiges, das auf alle Epochen und Stile gleichermaßen zutrifft und zur richtigen Einordnung der Fakten wissenswert ist.
